Dumm. Oder: Wie ich Feministin wurde

Ich meinte ja, die Zeit sei endgültig vorbei, wo man sich bei Papa über mich beschwert. Ich hielt das für bewiesen, weil ich 37 bin. Ich habe ein paar graue Haare und etwas mehr Erfolg. Selbst den allerliebsten Klassenfeinden, den Typen hinter Schreibtischen im Anzug – selbst denen leuchtet heute ein: Sie heißt nicht Mädchen. Man muss sie nicht mögen, aber sie kann was. Punkt.

Ich halte Leistung für wesentlicher als Geschlecht. Ich finde, man muss sehr dumm sein, um zu glauben, dass es in dieser Gesellschaft reicht zu sagen – ich bin eine Frau, und wenn Du nicht machst, was ich will, dann zeig ich dir den Mittelfinger. Dann mach ich auf Urschrei oder nervous breakdown oder beides. Ich werde auf jeden Fall lästig und nenne das eine Strategie. Feministische Strategie.

Zu diesen scheint neuerdings zu zählen, bei Papa Bergmann über mich zu klagen. Ich sitze hier und grüble: Die Jungs, die Typen von der alten Schule, die hab ich alle eingesackt. Die nehmen mich ernst. Und junge Frauen rufen Papa an. Was ist da passiert? Was ist so furchtbar schiefgegangen mit diesem Feminismus? Wie auch immer ich dazu stehe – er ist zu wichtig, um von dummen Frauen definiert zu werden. Also los.

 

Notfallpatienten

Das Schöne an so einer Buchhandlung: Es geht nicht um Leben und Tod. Keiner stirbt daran, dass ein Taschenbuch vergriffen ist. Langzeitfolgen einer verspäteten Tageszustellung von KV sind mir nicht bekannt. Weder ich selbst noch Mitarbeiter oder gar Kunden sind traumageschädigt durch Phasen von Unordnung in dieser Firma. Und überhaupt ist gerade Sommer. Ich sehe also keine Veranlassung, in Stress zu verfallen.

Gleiches empfehle ich Nutzergruppen, die Dynamik entfalten. Man muss nicht an Türen rütteln, die kurzfristig verschlossen sind, weil jemand auf der Toilette ist. Man muss nicht fünfmal am Tag anrufen, um den Lieferfortschritt eines Vokabeltrainers zu überprüfen. Und man muss bestimmt nicht glauben, dass ich Titel schneller finde, wenn man mir vom Fahrradständer Informationsfragmente zubrüllt.

All das gilt mit ziemlicher Sicherheit für sämtliche Kollegen im Bucheinzelhandel. Aber für mich persönlich gilt es gerade ganz besonders. Ich habe hier zwei Patienten im eigentlichen Sinn. Da geht es tatsächlich um Medizin, es ist mitunter dringend. Und es geht, das vor allem, um Herzensmenschen. Sie stehen mir näher als jeder einzelne Endverbraucher.

Die Situation ist insofern unproblematisch als dass ich nette Kunden habe. Freundliche, liebenswürdige, geduldige Menschen, mit denen mich ich auch unter Pflegebedingungen verstehe. Wir leben ja schon eine Weile miteinander. Ein guter Zustand – und gut genug, um Störenfrieden klare Ansagen zu machen: Stress raus. Wir sind nicht in der Notaufnahme. Sie kaufen hier höchstens Bücher. Und wenn Sie mich nerven: Dann in diesem Sommer nicht. Dann kaufen Sie woanders.

Domestiken

Als Diplomatie verteilt wurde, war ich woanders. Ich habe einen hohen Fehlerquotienten in politischer Korrektheit, und abstrakte Solidarität finde ich komisch. Ich bin der perfekte Klassenfeind all derer, die es grundsätzlich richtig gut meinen. So vom Prinzip aus Überzeugung im Ehrenamt und ganz bewusst. Wir beargwöhnen uns. Ja, natürlich bezahlen wir Herrn Mao Mindestlohn! Was denn sonst? Knallerbsen? Unser Fensterputzer arbeitet auf Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer. Unsere Mitarbeiter sind angemeldet. Berufsgenosssenschaft, Sozialabgaben, Haftpflicht etc pp. Das ordnungsgemäße Verhalten als Arbeitgeber kostet mehr als die Miete für unser Ladenlokal. Das ist in Deutschland so.

Ich wundere mich nur, warum die Leute soviel danach fragen. Selbst wenn wir illegal sein wollten – es ginge gar nicht. Deutschland sichert seine Arbeitnehmer bestens ab, und ich finde das gut. Aber deswegen ist es unnötig herumzubohren: Ja, Sie halten sich schon an die Gesetze? Sie machen das hier doch nicht schwarz, zwinker-zwinker, unter uns, liebe Frau Bergmann?! Genauso gut könnte man fragen, ob Heiligabend wirklich am 24. Dezember ist. (Schon länger. So ungefähr 2000 Jahre.)

Die Leute fragen also, und irgendwann wusste ich, warum. Klassischer Fall von Paralleluniversum. Es gibt eine erste Arbeitswelt, zu der meistens die gehören, die einen Schulabschluss haben, eine Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Die genügend Geld verdienen, um selbstverständlich davon auszugehen, dass man in Deutschland Rechte hat. Egal, ob angestellt oder auf eigene Rechnung: Man weiß, dass Leistung einen Wert hat, man weiß, wo man sich beschweren, seine Rechte einfordern, sich verteidigen (lassen) kann. Deutschland ist ein prima Land in dieser Hinsicht.

Wenn man dazugehört. Sprache, Pass, Zertifikate, Referenzen. Es braucht nicht viel Geld, um diesen Status zu erreichen, es geht um Zugehörigkeit. Zugehörigkeit, um dazuzugehören. Tautologisch. Und sehr traurig. Ich habe ja Panoramablick auf die Freistraße. Ich sehe, wer hier tagsüber spazieren geht, wer Pakete zustellt, kleine Kinder betreut und alte Leute durch die Gegend schiebt. Da ist Personal aus aller Herren Länder unterwegs. Manch einer lächelt ungern wegen seiner schlechten Zähne. Etliche verstehen mich nicht, wenn ich frage, woher sie sind. Schön ist das nicht.

Ich habe keine Lösung, ich bin weder Sozialpolitiker noch Großbeschäftiger. Aber ich bin höflich. Ich lächle, spreche langsam, formuliere um und neu. Und ich nehme mit stetig wachsendem Befremden wahr, wenn hier einer von – denen spricht. Die. Diese Leute. So eine Polin für Oma, die Rumänen fürs Feld, unsere Tagesmutter, die gute Seele. Gute Seele zum Stundenlohn von etwa 3.20 Euro. Soviel sind den Angestellten ihre Domestiken wert. Nichts. Kaum Geld, wenig Manieren. Es wäre ein Anfang, die Alltagshelfer beim Namen statt bei ihrer Funktion zu nennen. Man machte das zu Gutsbesitzerzeiten so. Ironie der Geschichte, zöge ich mit dieser Haltung an meinen Moral-Observierern links vorbei.

 

 

Ein goldener Mercedes

Autos sind in Ostwestfalen wichtig. Man nutzt sie zum Herumfahren, aber auch zur Pflege und als Weltanschauung. Man gebraucht sie sogar als Kennzeichen, in manchen Kreisen. Das sind dann vornehmlich solche mit Männern, und eher mit den praktischen. Also die Kreise, die sich an Tresen aufhalten. Wenn man dort fragt, Du, ich brauche wen, der Bauschutt transportiert (Lampen aufhängt, Wände malert, Rasen mäht), dann ist die Antwort: Günther. Manni. Potti. Jupp. Und wer ist das jetzt? Boah, Du stellst Fragen. Fährt nen Astra. Omega. Focus. Transit. Hä? Du weißt auch gar nichts. Geh in Deinen Bücherladen. Ich sag ihm Bescheid, der kommt dann vorbei. – Das klappt immer. Es erscheint zuverlässig ein Fahrzeug mit Insasse und Werkzeug, manchmal auch mit Hund.

Ich konnte mich dazu nie richtig verhalten, weil ich meistens kein Auto hatte. Ich fuhr Bus. Das ist so ungewöhnlich, vor allem in den praktischen Kreisen, dass einen das direkt interessant macht. Die mit dem Bus. Die mit dem Schulbus in ihren Bücherladen fährt. Wo man sie aufsuchen kann, wenn man zum Beispiel für die Olle an Weihnachten so ein sogenanntes Buch braucht. Du weißt schon, wo sie heult beim Lesen. Kochbuch geht sonst auch. Und pack das ein. Geschenkmäßig!

Dann der Systemfehler. Ich wurde in einem Mercedes gesehen. Goldener Mercedes Cabrio. Im offenen Wagen. Im Hochsommer. Anruf: War Dein Schulbus kaputt oder was? (Haha.) Nächster Anruf: Du fährst ja wohl auch nicht bei jedem mit. (Bei dir ist kein Platz. Haustiere, Schrauben, Dosen.) Dritter Anruf, mein Bankberater zu der Zeit. Warum hab ich dir überhaupt einen Kredit verkauft? Wo Du Leute mit solchen Autos kennst! (Ich frage mich das bis heute. Sein Chef übrigens auch.)

Es war der Lokalreporter. Der Lokalreporter vom Haller Kreisblatt, Ortsausgabe Borgholzhausen. Nebenher Fahrzeugfreund und Autosammler. Der war über 30 Jahre Lokalreporter. Aber – fährt nen goldenen Mercedes Cabrio klingt nicht so schön wie: Astra. Omega. Transit. Focus. Schulbus. Deswegen hatten sie ihn pragmatisch ausgeblendet. Möglicherweise ein ganz klein bisschen auch aus Eifersucht. Egal. Ich hab ihn jedenfalls wieder eingeblendet, denn er ist schon eine Weile in Rente und hat Zeit für ein Projekt. Man kommt als Ostwestfale an den Autos einfach nicht vorbei. Als Ostwestfälin auch nicht. Nicht mal als Bücherladen oder eben als Verlag. Deswegen füge ich mich, und wir machen ein Autobuch. Alle zusammen. Handwerks- und geschenkmäßig. Vor allem spaßmäßig.

 

 

Frauenaufgabe

Immer wieder Frauenfragen. Ich würde viel lieber darüber sprechen, dass ich neuerdings Bücher schreibe. Ich hätte eine Menge zur Integrationspolitik zu sagen. Ich möchte immerfort schimpfen über die Renten-Lügerei. Brexit, Grexit, Ferienspiele. Alles Themen, zu denen ich eine Meinung habe. Aber ich komme um die Frauenfragen nicht herum. Sie sind, im Negativen, ein Zeitgeistphänomen. Ich weiß zwar, welche Rechte ich habe. Ich habe auch gelernt, sie durchzusetzen – notfalls per Anwalt. „Mädchen“ hat schon länger keiner mehr zu mir gesagt.

Sich als Frau in Unternehmerkreisen durchzusetzen, war sehr viel mühsamer als angenommen. Kein Sprint, sondern ein Etappenlauf in vielen Tausend Schritten. Aber es hat funktioniert. Wie schön für mich. Nur: Ich bin ja nicht alleine auf der Welt. Ich sehe als Arbeitgeberin, als Kommilitonin, als Nachbarin, Freundin, Schwester jeden Tag, wie Frauen meiner Generation vereinnahmt werden. Es ist die Daily Soap. Mal schauen, wer sich heute rechtfertigen muss. Gern arbeiten? Hm. Ein bisschen unweiblich. Zu Hause bei den Kindern bleiben? Retro. Pfui. Der Mode nicht folgen und einfach irgendwas anziehen? So geht’s ja nun auch nicht. Kleider kaufen und sich schminken? Vorsicht, unsolide. Studiert haben und mit Stolz den Titel führen? Prahlerei! Klasse 10 und damit gut zufrieden? Das ist aber auch ein bisschen wenig. – Die Liste lässt sich beliebig weiterführen. Jeder und leider auch jede fühlen sich gerade berufen, unser mittelaltes Frauenleben permanent zu kommentieren.

Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich weiß nur, es stört mich. Es ist indiskret, unhöflich, übergriffig, chauvinistisch. Es ist grob und peinlich. Und ich glaube, die Frauenaufgabe meiner Generation ist so schlicht wie nahezu unlösbar. Sie lautet: Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sich immer wieder sagen, dass dieses ganze Gerede eben nur das ist – Gerede. Kein Grund, nervös zu werden. Aber ein guter Grund, für sich und andere nicht zu schweigen. Die Antwort auf jeden einzelnen Kommentar lautet: Das geht Sie nichts an. Das ist mein Leben.

Dancing Queen

Eine Freundin von mir braucht neue Schuhe. Die letzten sehen aus, als sei sie damit 30 Jahre unterwegs gewesen. Der Juni-Regen hat ihnen den Rest gegeben. Also los. Schuhe kaufen.

Wir kaufen Schuhe.

– Nein, wieso? Ich hab doch welche an.

Ja, aber mit Löchern.

– Na und? Das ist jetzt bestimmt modern.

Nein, und außerdem sind sie alt und abgelatscht. Du könntest ausrutschen.

– Ich bin auch alt. Kein Problem.

Aber ausrutschen ist gefährlich.

– Ich rutsche nie aus. Ich bin noch nicht mal auf der Flucht ausgerutscht. Und das war immerhin aus Breslau. Kennst Du Breslau?

Inzwischen kenn ich Breslau gut. Zumindest Breslau in den Vierzigern. Wenn ich nächstens nach Breslau komme, weiß ich Bescheid. Aber erstmal fahren wir in eine andere Stadt, die nicht ganz so weit weg ist. Kleine Autofahrt. Autofahrten sind gut.

– Ich bin immer ungefähr 150 gefahren. Kannst Du 150 fahren?

Ja, aber hier nicht. Hier ist 70.

– Schade. Sieht doch gerade keiner.

Trotzdem.

– Wir sollten ein anderes Auto kaufen. Rennwagen. Schwarzer Rennwagen.

Nee, erstmal Schuhe.

– Ok.

Wir gehen in ein Geschäft. Wir brauchen Schuhe mit Profil.

– Und mit Glitzer! Ich zieh nur Schuhe mit Glitzer an!

Ich wundere mich. Das Modell mit den Löchern hat Streifen von Adidas. Das war praktisch. Aber heute gibt es auch praktische Schuhe mit Glitzer. Wir haben etwa 20 Paar stabile Schnürschuhe mit Sternchen und Glitter zur Auswahl, auch mehrfach durchglitzerte Sorten. Wir müssen zum Glück nicht lange suchen.

– Die sind gut! Die gefallen mir!

Und sie passen sogar. Sie stehen ihr auch. Diese Freundin von mir war immer eine sehr schöne Frau. Und jetzt sieht sie aus wie eine Elfe mit langen weißen Haaren. Elfe in Glitzerschuhen.

Sollen wir zahlen?

– Moment. Stop. Ich hab was vergessen. Können die tanzen?

Probier es doch mal aus.

– Au ja. Ich tu mal so, als ob hier Musik wäre.

Sie schließt die Augen und – tanzt. Für sich allein und für das kleine Mädchen aus Breslau.

Dann können wir zahlen und fahren los. Sie winkt an jeder Ampel und auch überall sonst. Sie winkt und winkt. Die Dancing Queen in den Glitzerschuhen. Schade, dass die niemand sieht, solange sie nur neben mir im Auto sitzt. Vielleicht machen wir am Wochenende einen Ausflug.

– Aber nur im Rennwagen! Sonst fahr ich nicht mit!

Mal sehen.

(Und bald mehr von uns.)

 

 

 

Die Wunschbuchhandlung

Buchhändler, die über Buchhandlungen schreiben, sind wie Food und Mom Blogger: Solide, aber etwas öde. Buchhändler verteidigen außerdem gern die reine Lehre von der einzig wahren Superbuchhandlung – ihrer eigenen. Das ist noch langweiliger.

Ich lese von Buchhändlern sehr gern Texte über Bücher. Ich bin neugierig, was die Kollegen empfehlen, worauf sie sich freuen, was sie gar aufsparen für einen Abend allein zu Haus. Heimlich am liebsten mag ich Verrisse. Ein Buchhändler, der Bücher gut bespricht, ist interessant. Ob er in Unordnung tätig ist oder EC-Cash verweigert oder wirklich endlich mal die kaputte Lampe vorne links ersetzen müsste: Das kann ich ihm nachsehen.

Kunden geht es scheinbar ähnlich. Das zeigt eine Umfrage im Germanistik-Seminar. 40 Leute. Geistreiche, witzige Personen, politisch aufgeschlossen. Versandbuchhandelskunden. Dass ihr Digitalkonsum dem Reden von Vielfalt und Chancengleichheit zuwider läuft, lasse ich unkommentiert. Ich will ja nicht, siehe oben, die Superbuchhandlung ausrufen. Aber der Prof hakt nach. Warum kaufen Sie bei Amazon? Antwort, nahezu unisono – ist praktisch. Total praktisch. Man muss nichts bedenken und wird prompt beliefert.

Ich könnte jetzt sagen – Prompt und praktisch gibt’s auch stationär. Ich könnte fragen, warum geht Ihr nicht in Buchhandlungen? Bielefeld hat etliche, darunter eine direkt in der Universität. Ich formuliere die Frage anders. Habt Ihr in Buchhandlungen schlechte Erfahrungen gemacht? Seid Ihr falsch beraten worden? Waren die Mitarbeiter unfreundlich? Hat euch gar jemand belehrt? (Ich verstehe jeden, der nach einer Begegnung mit dem Moralbuchhandel ins Netz verschwindet.)

Die Germanisten sind irritiert. Nee, das kann man jetzt so nicht sagen. Nee, also, unfreundliche Buchhändler: Die würden sie nerven. Aber Beispiele fallen ihnen gerade nicht ein. Ich bohre weiter: Und die Flüsse? Diese albernen Sprüche: Kauf am Violenbach und nicht am Amazonas? Kauf an der Lutter, am Schwarzbach, denke auch als Konsument stets an den Obersee in Schildesche? Die Germanisten sind abermals ratlos. Also, das ist natürlich voll peinlich. Provinziell. Sie haben davon aber nichts mitbekommen. (Klarer Fall von Filterblase. Ich bin beruhigt.)

Ich frage, aber wie wäre denn Eure Wunschbuchhandlung? Was muss sie haben oder können, was darf nicht fehlen, damit Ihr Amazon Student Prime den Rücken kehrt? Da werden sie lebendig. Ganz viele Bücher! Überall Bücher! Keine Deko, keine Plüschfiguren, Kerzen, Duftartikel. Gern Sofas. Bloß keine Musik. (Das gefällt mir!)

Kaffee, fragt der Prof. Wollt Ihr Kaffee aus der Buchhandlung? (Schlecht für mich. Ich scheitere schon am Abspülen meiner eigenen zwei Tassen.) Schweigen. Och, na ja. Hm. Kaffee gibt’s auch überall. Ich sekundiere: Bücher mit Staub sind ok. Kaffeetassen mit Staub sind eklig. Ja, das finden sie auch. Also lieber noch mehr Bücher. Und Muße. Und bitte keine Störung durch aufdringliche Buchhändler. – Ich will von denen nicht angesprungen werden, sagt eine. Ist ja furchtbar. Vor allem, wenn die den gleichen Mist empfehlen wie Amazon. Kann ich doch gleich zu Hause bleiben.

Und dann stehe ich da. Diese freundlichen und überaus reflektierten Studenten sagen genau das, was ein Buchhändler gern hört. Sie beschreiben eine Buchhandlung, wie ich sie mir ungefähr auch vorstelle. Sie beschreiben sogar meine eigene Buchhandlung ganz gut. Aber wo sind die Studenten aus der Bielefelder Germanistik? Hier jedenfalls nicht.

Sie sprechen vom Buchhandel, als gingen sie da ein und aus – wenigstens in Gedanken. Holen wir sie also zurück: Die, die Bücherstapel mögen. Die zu Büchern und Autoren eine Meinung haben, die überhaupt Positionen vertreten. Die, denen wir aber nicht gerecht werden, wenn wir sie mit Argumenten überschütten. Sie interessieren sich für unsere Branchenpolitik so wenig wie wir für Studienordnungen im Bachelor.

Sie wollen einfach Bücherstapel. Und das ist ja nicht so schwer.