Frauenleben

Ich drücke mich normalerweise um eine frauenpolitische Meinung. Nicht, weil ich keine hätte. Sie lautet, grob umrissen, so: Frauen haben in Deutschland dieselben Bildungschancen wie Männer, und der Zugang zu Bildung ist weitestgehend unabhängig von der Finanzausstattung des Elternhauses. Das finde ich großartig.

Frauen haben vielfach verbriefte Rechte, endlich, und dafür muss man der Frauenbewegung sehr, sehr dankbar sein – egal, wie sonderbar manche ihrer ästhetischen Auswüchse sind. Gewalt gegen Frauen ist, auch dank der Gleichstellungspolitik in anderen Jahrzehnten, gesellschaftlich besprechbar geworden. Gewalt kann man nicht abschalten, aber ans Licht zerren, bekannt geben, bestrafen. Das ist viel.

Frauen sind beruflich eigentlich nicht benachteiligt. Es gibt leider viele Beispiele, wo sie zurückstecken, sich nicht wehren, sich von männlichem Lärm einschüchtern lassen oder seelischen Schaden nehmen.

Das liegt auch daran, dass die Gesellschaft über den Körper der Frau zu verhandeln beginnt, sobald sie etwa 30 ist. Bildung, Meinung und Freiheit werden von denselben Milieus zerredet, die westliche Werte als Moral exportieren, sobald es um den Nachwuchs geht. Kinder gelten dann mehr. Eine verletztende Erfahrung.

Ich meine, man kann sich wehren. Man soll den Schreihälsen sagen, Ruhe jetzt. Und: Krach ist kein Argument. Man kann sagen – Ich heiße auch für Sie nicht Fräulein Bergmann, und ich finde das nicht lustig. Man kann sagen – Ihr Eindruck ist falsch, dass ich Ihnen Auskunft geben muss. Es geht Sie nichts an, ob und wie viele Kinder ich habe oder haben werde.

Ich kann nach aberhundert Wortgefechten im Dorfeinzelhandel berichten, dass Chauvinismus-Abwehr möglich ist. Sie ist anstrengend und lästig, das ja, aber sie kann gelingen. Ich glaube, das liegt an den beiden oben genannten Großvorteilen: Bildung und Gesetzen.

Wer Bildungschancen nutzt, weiß um seine Rechte und kann sie hoffentlich durchsetzen. Wenn nicht allein, dann zu vielen. Keiner sagt, dass das einfach ist. Aber es ist unsere Pflicht. Und deswegen habe ich jetzt meine Meinung aufgeschrieben – gegen meine persönliche Bequemlichkeit und die gefährliche Scheingewissheit, dass alle dasselbe für selbstverständlich halten wie ich: Meine Freiheit als Frau.

 

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Ein Gedanke zu “Frauenleben

  1. schon lange nicht so ehrliche & engagierte Worte gehört. Gefällt mir gut. Bin auf weitere Statements gespannt.

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