Novemberlicht oder: Das eigentliche Wetter

Es schneit hier nicht so oft. Es regnet eher. Es regnet im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Aber zu keiner Zeit so schön und passend wie im November. Die Nachmittage gehen zügig über in Halbdunkel, das man noch nicht Abend nennen kann, weil es erst halb vier ist. Oder zehn nach vier oder kurz vor halb fünf. Im Halbdunkel sieht man gerade noch ein paar Blätter, die keiner weggefegt hat. Und jetzt liegen sie regenfeucht und angepappt herum. Halbe Farben, darüber feiner Regen. Es ist noch nicht so kalt, dass man sich sorgen müsste. Kein Eis. Rutscht trotzdem. Man kann nicht rennen, nur schlendern. Aber nicht zu langsam, denn sonst wird man nass. Nieselregen ist nur ungefähr fünf Minuten nett. In diesem kurzen Augenblick muss man vom Haus zum Auto gehen. Oder den Regenschirm aufspannen und seinen Bus nicht verpassen. Oder irgendwo herumstehen und sich darüber freuen, dass für einen Moment das Wetter die Landschaft ergänzt. Wald geht in Nebel geht in Regen geht in Asphalt über. Matschiges Laub, das gerade noch ungefährlich ist. Und irgendwo dahinter:

Licht. Kleine Lichtquadrate namens Fenster. Man sieht sie und freut sich, denn beim Licht sind Trockenheit und Wärme. Das ist die Richtung. Auf diesen kurzen Wegen passt, wie gesagt, das Wetter zur Landschaft. Das ist der späte Herbst in Ostwestfalen. Er ist schön, denn er ist das eigentliche Wetter.

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