einzeln handeln

Der Grundgedanke ist einfach: Ich halte Ware vor, die andere Menschen bei mir kaufen. Diese Ware, mein Eigentum, beziehe ich von Lieferanten. Zwischen ihren Preisen und meinem Preis liegt das, wovon ich lebe. Und dann müssen noch Menschen kommen, die das bezahlen, was ich haben möchte. Kunden. Für mich ist das gut geregelt, denn für Bücher gilt das Preisbindungsgesetz. Mit Schnäppchen kann ich daher nicht dienen.

Diese Sorte Einzelhandel ist seit Jahren viel Gerede ausgesetzt. Lohnt sich nicht. Und diese Arbeitszeiten. Und das Risiko. Und, und, und. Das hat mich alles nie stark interessiert. Ich bin selbständig, um zu sagen, was ich denke. Ich meine, Lesewaren sind politisch per se. Dass sich die Ware und ihre Händler zu einer jeweiligen Gegenwart auch dissident verhalten können: Das zeigt für mich die Freiheit der Gesellschaft. Damit meine ich nicht nur die politischen Gegebenheiten, ich meine auch die Offenheit untereinander. Wer spricht, erreicht sich noch.

Diese demokratische Funktion des Einzelhandels ist in Gefahr. Das so wichtige Agieren Einzelner erfährt Beschränkungen durch den Versandhandel (kein neues Thema), durch bankseitige Verbohrtheit (wird besser) und zunehmend durch lokale Steuerungsversuche. Hier ein Einkaufszentrum, das keiner braucht. Dort Parkraumbewirtschaftung. Gern Sitzungen, wo wir in freundschaftlicher Atmosphäre gemeinsam – ich bin raus. Ich gehe nicht in ein Bürogebäude, zu keiner Diskussion mit Verwaltungsleuten. Dafür habe ich einen Steuerberater, Bankleute und die Kollegen hier in der Freistraße. Und irgendwann bin ich privat.

Wir alle dachten diese Woche: Nee. Parkplätze mit Kontrollen, kommuniziert durch einen mehrseitigen Brief, den ich leider nicht verstanden habe. Ich habe Literaturwissenschaften studiert, aber ich habe nicht kapiert, wo ich neuerdings parken soll oder nicht und warum, weil das ja auch noch vom jeweiligen Status abhängt. Martina Bergmann-Einzelhändlerin parkt woanders als Martina Bergmann-die-zum-Zahnarzt-geht.

Manche Kollegen ärgern sich, andere verdrießen. Dritte drohen, den Standort aufzugeben. Und ich bediene den Papierkorb. Denn ich meine: Über Einzelhandel reden, Einzelhandel planen, in Einzelhandel eingreifen – alles Quatsch. Beim Einzelhändler kaufen, darauf kommt es an. Mit ihm sprechen, im Einzelhandel anderen begegnen, sich austauschen, die Öffentlichkeit wertschätzen, die stationärer Einzelhandel bietet: DAS ist Politik für den Einzelhandel. Alles andere ist Gewäsch und interessiert mich nicht.

 

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