Drängelei (Jahresgefühl)

Man überlegt sich, was war nochmal in diesem Jahr? Wie fing es an, wie ging es weiter. Was tat ich und was ließ ich bleiben, aus welchen Gründen. Überlegt das alles, zieht einen Strich, denkt dies und das. Ich denke dieses Jahr: Och ja. War gut. Oma satt und glücklich, Eltern beieinander, Kopf intakt. Mein Kopf hat einen Roman geschrieben, und die Seele ist damit zufrieden. Mehr will ich gerade nicht. Es wäre ein kurzes Resümee, für mich allein an meinem Schreibtisch; kurz und gut.

Nun bin ich nicht alleine, sondern unter Menschen. Zum einen, weil jeder (hoffentlich) unter Menschen ist. Alleinsein macht doof. Zum anderen, weil mein Hauptberuf mit Menschen ist, der Hauptberuf im Bücherladen. Einzelhandel. Menschen kommen und gehen, lassen sich beraten oder auch nicht, wählen aus, bestellen, bezahlen, reklamieren, telefonieren, machen sich bemerkbar so oder so. Viele Menschen jeden Tag. Ich mag das, ich mag Menschen überhaupt. Ich mag auch meine Kunden. Ich höre immer mal, ich möchte die Kunden nicht. Ich sei zu ihnen garstig und kurz angebunden.

Das ist Unfug, zu hundert Prozent, und eine böse Unterstellung. Es dauerte eine Weile, bis ich wusste, sie kommt immer von da, wo ich mich verweigert habe. Wo ich sagte – nein, bitte warten Sie. Gleich sind Sie an der Reihe. Bitte gedulden Sie sich, einer nach dem anderen. Bitte begreifen Sie: Ich kann irre schnell arbeiten. Aber ich überschlage mich für keinen, auch nicht für Sie. Egal, ob Sie drängeln, schubsen, schimpfen: Das führt bei mir zu nichts.

Mein Jahresgefühl war also: Einige Menschen benehmen sich nicht gut. Sie schieben und raufen als sei ein Dauerlauf der Seelen ausgebrochen; irgendwie endzeitlich. Man könnte sich der Rastlosigkeit weltanschaulich nähern, in großen Schleifen voll tiefer Gedanken, wie Oswald Spengler meinetwegen. Ich fasse mich kürzer: Es nervt. Und die Methode, frei nach Omas Frisör – Raum für gute Leute schaffen. Wer nervt, geht.

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