Pudding mit Streifen (Mitleben)

Eine Person in meinem Haushalt lebt mit mir. Sie kriegt das alleine nicht mehr hin. Warum auch? Sie ist über 80, und sie hat in ihrem langen Leben viel geleistet. Hat gearbeitet, gewirtschaftet, hat sich gesorgt und gekümmert, hat über 40 Jahre an der Seite eines schwierigen Mannes gelebt.

– gelebt? Ich habe gearbeitet! Ich habe hier immer gearbeitet!

Ja, sage ich dann. Das hast Du wirklich. Hier sind überall Spuren Deiner Tätigkeit. Bilder hängen an den Wänden, die hast Du fotografiert.

– oh ja! Ich habe viele Bilder gemacht. Mit der, äh, dings, Maschine!

Ja, mit Deinen Fotoapparaten. Leica und Polaroid. Polaroid sind die, die aus der Maschine kommen. Die mit dem weißen Rand.

– weißer Rand? Zeig mal! – Ach so, der. Ja, weißer Rand. Ich hab auch immer viel mit weißen Rändern gearbeitet. Was arbeitest Du?

Ich arbeite im Buchladen. In dem Buchladen mit dem roten Sofa.

– stimmt, rotes Sofa. Aber Du bist doch aus der Uni! Daher kennen wir uns!

So ungefähr. Wir sind Studentinnen derselben Universität, aber zu anderen Zeiten. Sie ist eine promovierte Soziologin, Luhmann-Schülerin. Ich trödel immer noch bei den Historikern herum. Ich hab ja diesen Buchladen mit Verlag dabei.

– und mit dem roten Sofa! Ich hab hier auch ein Sofa. Korbsofa.

Korbsofa, Rattansessel, helle Farben, viel Licht. Sie hat so ihren Stil. Manchmal haben wir Streit, weil meine Lieblingsfarbe Rot ist. Und Rot mag sie nicht. Sie mag Rosa.

– und Blümchen. Kuck mal, viele!

Weiße Blümchen auf der rosafarbigen Tischdecke. Streublumen auf Papierservietten. Sternchen auf Kaffeetassen. Pudding mit Streifen.

– der gefällt mir! Der ist ordentlich! Kuck mal, diese Streifen. Den kann ich immer essen.

Dr. Oetker hat Pudding mit Streifen. Nougat und Sahne gestreift, Grieß und Erdbeer in Schichten, Schoko-Vanille durcheinander. Ich hab da mal mit angefangen. Ich kann dieses Streifenzeug inzwischen nicht mehr sehen. Ich esse Himbeer-Joghurt.

– koste doch mal, hier! Schmeckt total gut! Ess ich immer. Seit Jahrzehnten.

Die Person in meinem Haushalt und ich, wir mögen uns. Wir sind nicht verwandt, aber wir haben denselben Mann verehrt und ausgehalten. Das verbindet. Zumal, wenn es sich um einen kuriosen Charakter handelt, der in seinem Leben viel mehr Menschen befremdet als sich anverwandt hat. Da sind wir also, die große und die letzte Liebe. Wir zwei zusammen. Es ist ganz schön soweit. Aber die Nachbarn verstehen das nicht. Diese Leute, die immer meinen, ihre Meinung spielte in unserem Alltag eine Rolle.

– Leute? Ich hab hier Pistolen! Ich such die, warte!

Nee, komm, wir essen erstmal Pudding.

– Ja, mit Streifen! Kennst Du den? Willst Du kosten?

Ausnahmsweise. Mitleben ist dieser Gemütszustand, den man durch gestreiften Pudding erträglich machen kann. Spielarten von Mitleben, die Inge Jens, John Bayley und jetzt auch ich beschreiben, Spielarten von Mitleben gehen nicht unwidersprochen. Mitlebende um sich zu haben, ist nichts für schwache Nerven, auch nichts für Spießer. Umso wichtiger, dass davon berichtet wird. Vorurteile helfen Demenzpatienten nicht. Ordnung und Klarheit helfen. Pudding mit Streifen.

Sie sind ja auch so eine Kreative

mit viel Herzblut. Die voller Liebe ganz empathisch: Bla, bla, bla. Es gibt Satzbausteine, die böse machen. Die einen erzürnen, wenn man sprachliche, gestalterische, im weitesten Sinne künstlerische Dienstleistungen erbringt und das in Rechnung stellt. Rechnung wie Finanzamt wie Umsatzsteuervoranmeldung, weil Gewerbe. Und selbst wenn es nur ein Kleingewerbe ist, wenn man im Nebenerwerb keine so umfangreiche Buchführung hat wie ich mit einem sechsstelligen Jahresumsatz und drei Angestellten: Auch dann ist das Arbeit. Es ist eine schöpferische Tätigkeit, die entweder nach ausgewiesenen Arbeitsstunden oder mit einem zuvor vereinbarten Pauschalhonorar entgolten wird. Handwerker arbeiten auch nicht gegen Augenklimpern. Und warum auch? Wenn einer etwas so gut kann, dass andere seine Arbeitsleistung als Produkt anerkennen, wenn sie also etwas bestellen, mithin einem Werkvertrag zustimmen: Dann müssen sie das Werk bezahlen. Nichts da, Herzblut-Augenklimpern-BestimmtistdasfürSieinOrdnungwenn.

An dieser Stelle folgt nicht die Auflistung von Anekdoten aus dem Freiberuflertum. Jeder von uns hat genügend solcher Situationen erlebt, jeder weiß, wie man dann da steht und denkt: Soll ich lachen? Weinen? Schimpfen? Seufzen? Ich meine: Schreiben. Kleiner Brief – Schönen guten Tag. Sie sind der Meinung, meine Dienstleistung sei gratis? Das ist falsch, denn wir hatten folgendes vereinbart. Hier ist die Rechnung. Keine Gefühle, Vermutungen, Herzblut, Klimbim. Einfach: Leistung beschreiben, Wert ausrechnen, Kontonummer, Fälligkeit. So ein kleiner Brief kann (und soll) wirken wie Licht bei Motten. Knoblauch bei Vampiren. Frischluft bei Leuten, die vor lauter Rührung und Gefühlen übersehen, dass Gemeinnützigkeit vom Geber ausgeht. Nicht von dem, der Kreatives schnorrt.

Massenwaremenschen

Gestern war ich bei IKEA. Wir brauchten allerlei Zeug, paar Bretter, etwas Stoff, Töpfe, Tiegel. Ich bin da nicht oft, vielleicht dreimal in zwei Jahren. IKEA ist für Leute mit viel Zeit erfunden worden, also nicht für mich. Egal. Es gibt genügend IKEA-Fans in diesem Land. Die waren auch alle da, gestern. Wer Samstagnachmittag im Februar zu IKEA fährt, muss Hochbetrieb einrechnen. Nur: Was willst Du machen. Fünfeinhalb Tage Einzelhandel plus kleine Oma lassen einem Einkaufszeit, ja, genau, am Samstagnachmittag. Ich war aber vorbereitet. Plan: Schnell dadurch, dann ab nach Hause.

Aber man kann bei IKEA nicht schnell dadurch. Alles voll, überall Menschen. Das Restaurant so gut besetzt wie der Kindergottesdienst an Heiligabend. Ich muss nicht verstehen, dachte ich, warum Menschen ihre Freizeit in Warteschlangen verbringen. Als ob da Südfrüchte an Insassen eines Ostblock-Staates vergeben würden. Aber: Pommes frites! Fleischbällchen! Dann: Möbelausstellung. Menschen, Menschen, Menschen. Brauchen die alle Sofas? Ist in Ostwestfalen Sitzwarenknappheit ausgebrochen? Was weiß ich. Es dauert und dauert, und auf jeden Fall habe ich Gelegenheit, mir zu überlegen, warum Neugeborene zu IKEA fahren. Vermutlich ein Initiationsritual. Ein in der Nähe herumschreiendes Baby teilt meine Skepsis. Ich kann es gut verstehen, ich möchte auch schreien. Die Eltern nicht. Die brauchen Teelichter. Und dann die sogenannte Markthalle. Mekka von den ganzen Leuten, die Bilderrahmen, Leuchtmittel, Blumentöpfe, Aufbewahrungsboxen en gros verbrauchen. Glücksgefühle in der Luft. Irgendetwas, das die Leute verbindet und das sich mir nicht erschließt. Als sei das Glück der Gegenwart, in all dem seelischen Getaumel wenigstens dieselben Kaffeetassen zu haben wie die Nachbarn. Lass sie AfD wählen, aber jedenfalls haben sie auch dieses Geschirr, Du weißt schon.

Ich hatte irgendwann alle Positionen meiner Liste eingesammelt. Ich hatte 243 Euro bezahlt für Bretter, Kisten, eine kleine Bohrmaschine und noch mehr Zeug. Ich hatte ein Kind kotzen sehen, ein anderes lag weinend am Boden. Der Mahlstrom der Teelichtkäufer schob sich daran vorbei. Ich fuhr zur kleinen Oma, die sich das alles besah und sagte – hässlich! Du hast doch normalerweise Geschmack. Sonst wärst Du ja nicht hier.

Ja, dachte ich. Und das ist dann der Unterschied zwischen Individualität und Massenware. Gilt bei Teelichtern und Kaffeetassen genauso wie in der menschlichen Umgebung. Sie ging an den Schrank, sie holte Bunzlauer Keramik raus, wir tranken Kaffee und hatten IKEA schnell vergessen. Wir sind wohl beide keine Massenwaremenschen.

Russisch können

Sie lesen Französisch, sehe ich. Ja. Aus kaufmännisch nicht zu rechtfertigenden, sagen wir mal: nostalgischen Gründen halte ich französische Literatur vorrätig. Den jeweiligen Prix Goncourt, manchmal ein Memoir, jetzt Briefe von Mitterrand. Ich habe Französisch studiert, eher aus einer Laune denn mit guten Argumenten, und das 18. Jahrhundert ist seither mein liebstes. Ich mag die Aufklärung. Warum auch nicht? – Ach, sagte der Kunde. Ich lese gern Russisch. Aber das wagt man ja kaum zu sagen. Also nicht wegen Putin oder der UdSSR, dass Sie mich nicht missverstehen. Nur: Ich mag die Sprache. Ich hab die gern gelernt.

Na ja. Der Front National ist ein Sauhaufen, und den aktuellen Präsidenten finde ich ungeeignet. Aber was hat das mit Voltaire und Diderot zu tun? Der Kunde zögerte. Sie haben Französisch in einem Land gelernt, das es noch gibt. Und ich: Französisch war das Streber-Fach. Man machte sich damit nicht beliebt, man war so doof, statt Informatik (Computer! Zukunft! Arbeitsplätze!) eine komische Sprache mit sonderbaren Zeichen zu lernen. Man war womöglich Opportunist, denn die Französischkurse fuhren öfter weg. Die bekamen auch immer Geld. (Stimmt. Die Völkerverständigung wurde heftig subventioniert. Wird sie, glaube ich, hoffe ich, immer noch.) Der Kunde legte nach, egal. Sie konnten sich das aussuchen. Sie konnten sich sogar aussuchen, eine Sprache nicht zu lernen. Und ich: Ja. Ich hätte Unbildung wählen und mich dafür loben lassen können. Toll.

Wir wurden uns nicht einig. Der Kunde ging davon, er wird sich weiter schämen für die erste Fremdsprache in seinem Deutschland. Schade. Nur auch irgendwie bezeichnend. Was ist das für eine komische Gesellschaft? Wo Sprachen peinlich sind? Ich sehe vor meinem inneren Auge Plakate gegen Schulenglisch. Ein Alptraum. Sicher, der Brexit ist keine Einladung, sich für Großbritannien zu begeistern. Von dem Geisterfahrer in Washington gar nicht zu reden. Aber deswegen Sprachen, Spracherwerb delegitimieren? Es gibt keine schlimmere Form der Isolierung als Sprachlosigkeit. Das ist noch viel verheerender als wirtschaftliche Abschottung.

Deswegen: Sprachen, viele Sprachen in alle Köpfe. Auch die des Ostens – Russisch, Polnisch, Ungarisch. Sprachen bieten Alternativen, sie erschließen Denkmodelle und Traditionen, die fremd erscheinen mögen. Aber sie sind eben: Anders. Deswegen nicht schlecht oder gar peinlich. Wo das Ungewohnte anstößig wird, haben sich die Ungebildeten schon durchgesetzt, haben Kleingeist und Mittelmaß die Deutungshoheit. Das ist noch nie gut gegangen, das ist im Gegenteil brandgefährlich.

Stille Heldin, leider tot

Sozialamt. Ich musste das Sozialamt anrufen. Den sozialpsychiatrischen Dienst im Landkreis Osnabrück, Außenstelle Melle. Wir hatten diese Oma, die zu uns gehörte. Die stets geschäftige und meistens gut gelaunte kleine Oma mit dem Adlerblick. Aber nun war sie schreiend in ein Maisfeld gerannt. Diese Leute! Solche! Die kommen und die holen mich! Ich hatte gesagt, eher der Mähdrescher. Und er: Ich spiel dir Bach. Ich spiele Bach, die ganze Nacht. Komm da jetzt raus. Das half.

Aber wir waren uns nicht sicher. Und wir hatten diesen Tratschverein um uns herum. Ein Dorf mit Meinungen. Sozialamt, sagte meine Mutter. Ruf die an, auch wenn’s dir stinkt. Dafür sind sie da. Sozialpsychiatrischer Dienst im Landkreis Osnabrück, Außenstelle Melle. Ich hatte keine gute Laune. Ich mag Ämter nicht. Und dann aber die Stimme – Guten Tag, mein Name ist Soundso. Soundso mit Bindestrich. Was ist passiert, wie kann ich Ihnen helfen? Frau Soundso mit Bindestrich hörte sich meine Sorgen an. Dann sagte sie, na ja. Es waren 32 Grad an dem Tag. Wenn man bei solchem Wetter zu wenig trinkt, dann spielt vielleicht die Phantasie verrückt. Vor allem bei alten Menschen. 2 Liter Flüssigkeit am Tag, das kriegen Sie hin. Und ich komm nächstens mal vorbei, dann lernen wir uns kennen.

Sie kam, wir tranken Tee, wir mochten uns. So fing das mit uns an. Mit meiner aparten Kleinfamilie und dem sozialpsychiatrischen Dienst im Landkreis Osnabrück, Außenstelle Melle. Frau Soundso mit Bindestrich. Sie war optimal. Optimal an dieser Stelle, optimal für uns. Sie hatte es raus, mit Menschen umzugehen – auch mit den sperrigen. Zum Beispiel mit Theo und mit mir, die wir beide Institutionen lieber weit auf Abstand hielten. Man konnte sie anrufen und schimpfen. Sich aufregen. Später auch weinen und sich trösten lassen. Sie war einfach immer da. Gut für die Menschen.

Nur leider nicht gut für sich selbst. Wir hatten im Sommer viel geredet. Pflege zu Hause, Begleitung eines Sterbenden. Umgang mit der Hinterbleibenden. Wie speist man bei ihr ein, dass sie wirklich, wirklich, wirklich nicht verschleppt werden wird. In kein Altersheim und auch sonst nach nirgendwo. Maisfeldflucht unnötig. Wir hatten das gut hinbekommen, Frau Soundso mit Bindestrich und ich. Wir wollten Kaffee trinken. Wir wollten eigentlich wohl Freunde sein. Ich rief sie an, um einen Termin auszumachen. Sozialpsychiatrischer Dienst im Landkreis Osnabrück, Außenstelle Melle. Aber sie war da nicht. Sie war gestorben. Am Schreibtisch aufgefunden von einem der vielen, die sie brauchten. Tot.

Ich mochte sie so gerne leiden. Und ich bin traurig, dass sie nur 56 Jahre alt geworden ist.

Seine, meine, unsere Bücher

Ich hab mehr Bücher, sagte er. Eindeutig mehr, so um die dreitausend. – Man kann sich in einem Buchladen so vorstellen. Das haben andere auch getan. Mehr Bücher, mehr Autos, mehr Geld. Männer müssen einen ja beeindrucken. So aus Prinzip. Und ich sage dann aus Prinzip – pff. Du kannst sowieso nur mit einem Auto auf einmal fahren. Bei diesem Beeindrucker fiel mir gerade ein – pff. Aber ich kann über Nacht welche bestellen. Lieferung ins Haus vom Fahrer des Grossisten. Nein? Wirklich? Auch Bücher von Reclam, zweisprachig? Ja, auch Reclam orange. Altgriechisch. Oh, das müssen wir ausprobieren. Das ist wirklich imponierend.

Da war das erste – Wir. Die Bücher und wir beide. Bücher betrachten, Bücher lesen, Bücher auswählen, sortieren, kartieren. Bücher geben einem viele Möglichkeiten zur Gemeinsamkeit. „Die Sophisten“ in einer broschierten Reclam-Ausgabe waren das erste, ein kleiner Band über das Wandern im Teutoburger Wald unser letztes gemeinsames Buch. Vorgelesen ganz zum Schluss, als die Aufmerksamkeit nur noch für Viertelstunden reichte. Und dazwischen so viele andere. Man kann in drei Jahren eine große Zahl an Büchern in die Hände nehmen. Lesen, besprechen, sich darüber streiten und einigen. Man kann sich eine Welt aufbauen, ein Lektüreuniversum. „Konfuse Gegenwart“, hat er genannt, was in seinem letzten Lebensjahr entstanden ist. „In dieser konfusen Gegenwart brauchst Du innere Ordnung.“

Er hat sie mir nicht vorgegeben, aber vorbereitet. Ich habe lange überlegt, nach welcher Methode er die Bücher in Regale eingeordnet hat, die wir zusammen lasen. Sie stehen hier um mich herum. Etliche Meter, mehrere Sprachen, neu und gebraucht. Alle durcheinander. Oder? Nein. Sie stehen chronologisch. Eins nach dem anderen, wie wir sie betrachtet haben. Ein Kanon von drei Jahren, eine Handreichung. Aber keine Deutung. Die kann und muss und werde ich nun selber finden.

Öffentliche Güte (Warnung: Rant)

Wenn ich eins gut kann, dann Werbung. Es war zu keiner Zeit ein Problem, Öffentlichkeit zu finden oder, notfalls, herzustellen. Das mag daran liegen, dass ich eine interessante Firma habe. Es mag an mir selber liegen, an meiner Person. Wie auch immer: Aufmerksamkeit ist mir gegeben. Es ist genau deshalb nicht erforderlich, öffentlich zu machen, dass ich gerne gebe. Dass ich sinnvolle Projekte und Institutionen mit Geld- und Sachspenden fördere. Ich habe es aufgerechnet – 2016 um die 5 000 Euro. Ich möchte aber nicht sagen müssen, wem ich was gegeben habe. Ich möchte diese Menschen nicht vorführen, in ihrer Bedürftigkeit, in der Kärglichkeit, die hoffentlich ein klein wenig erträglicher geworden ist. Ich möchte auch keinen Paradeflüchtling mit Schleifchen präsentieren. Schaut her, was der jetzt alles kann. Und ich war stets dabei. Ich habe Zeit, Geld, Nerven eingesetzt, damit wenigstens eine Person von sehr vielen sich in Deutschland wacker schlägt. Dieses Sendungsbewusstsein geht mir ab. Vielleicht aus Gründen katholischer Erziehung. Vielleicht, weil sich das einfach nicht gehört. Ich möchte gerne glauben, dass andere Gebende auch so denken. Allein, es fällt mir schwer. Es fällt mir nach den Aufdringlichkeiten beseelter und von sich selbst berauschter Gebemenschen diese Woche bitter schwer. Was für Selbstdarsteller.